Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich einige Handwerksbetriebe zu Industriebetrieben, so auch im Braugewerbe. Am 1. Oktober 1889 erwarben Oskar Froeb und Adam Hick eine Anzahl Braurechtigkeiten und errichteten daraufhin die “Erste Oberländische Dampfbierbrauerei”. Erster Braumeister war Heinrich Grüner.
Aus der Firmenbezeichnung ist ersichtlich, dass die Brauerei in Lobenstein als erste Brauerei im Thüringer Oberland den technischen Fortschritt durch Ankauf einer Dampfmaschine nutzte. Die Dampfmaschine diente in erster Linie zum Betreiben der Kälteanlage, um eine Unabhängigkeit von kalten Wintern, Natureisschneiden auf den nahe gelegenen Teichen sowie zum Antrieb von Stromgeneratoren, diente.

 

Am 02. Dezember 1898 wurde dann die Erste Oberländische Dampfbierbrauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Zweck der Aktiengesellschaft waren die Übernahme und der Aufrechterhaltung des bisherigen Bierbrauereigewerbes und der dazugehörigen Nebengewerbe sowie der Absatz der Fabrikate. Das Grundkapital betrug 200.000 Mark. Gründer der Aktiengesellschaft waren: Oskar Froeb mit 135 Anteilen (ca. 55 %), Ökonom Adam Hick mit 58 Anteilen, Christoph Zier 1 Anteil, Moritz Müller 1 Anteil und Braumeister Heinrich Grüner 3 Anteile, alle aus Lobenstein. Der Bierausstoß lag in der Gründerzeit jährlich bei 18.000 bis 20.000 hl Bier. Die Brauerei verfügt über 2 Brunnen unmittelbar im Brauereigelände, welche sich durch eine sehr gute Brauwasserqualität auszeichnen. Der Rohstoff Gerstenmalz wurden hauptsächlich von der Malzfabrik Lobenstein “Gebrüder Barnickel” und der Erfurter Malzfabrik bezogen. Den Hopfen kaufte man aus den traditionellen Hopfenanbaugebieten der Hallerdau (Bayern). Bis Ende des 2. Weltkrieges wurde ausschließlich nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut.

Der Umsatz und die Rentabilität entwickelten sich stark. Der 1. Weltkrieg unterbrach alle aufblühenden Industriebetriebe . Viele kleine und mittlere Betriebe mussten infolge der Inflation und der erdrückenden Konkurrenz der Großunternehmen ihre Tore schließen. Mit einem stets süffigen und bekömmlichen Bier konnte jedoch die Brauerei Lobenstein diese schwere Zeiten gut überstehen.

Im Jahre 1936 wurde die Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft mit Namen “Erste Oberländische Dampfbierbrauerei” Nachf. Froeb & Co. umgewandelt. Mitte bis Ende der 30er Jahre wurden größere Investitionen durchgeführt. Das technische Niveau wurde auf den neuesten Stand gebracht, z. B. Einbau der emaillierten Bierlagertanks, neue Filtration, neue Kälteanlage. Den 2. Weltkrieg überstand die Brauerei ebenfalls ohne größere Schäden. Die teilweise Wiederaufnahme bzw. Aufrechterhaltung der Produktion war am Ende des 2. Weltkrieges sehr schwierig. Es gab kaum Rohstoffe, auch waren Ersatzteile für Maschinen nicht beschaffbar. In dieser Zeit wurde stark improvisiert. Es konnten auf Grund der Rohstoffsituation nur dünne Biere (Stammwürzegehalt lag bei 6 %) hergestellt werden, die Produktion kam jedoch nie zum Stillstand.

Nach Gründung der DDR und Einführung der sozialistischen Planwirtschaft war eine staatliche Beteiligung unumgänglich. Die Vertragsunterzeichnung wurde von den Gesellschaftern am 30. 11. 1959 erzwungen. Die gute Qualität und der Bekanntheitsgrad der Lobensteiner Biere konnte in den 50er und 60er Jahren beibehalten werden. Es wurde weit über die Kreisgrenze hinaus beliefert, wie z. B. nach Plauen, Triptis, Gera. Ende der 50er Jahre wurden im Schützenhausgrund zwei weitere Brunnen 30 bis 60 m tief gebohrt, welche die Brauerei mit bestem Brauwasser in ausreichender Menge versorgte. Das Wasser hat eine ausgezeichnete Qualität für Brauzwecke, es bedarf keinerlei chemischer Aufbereitung bzw. Weiterbehandlung. Die eigentliche Kapazität von 20.000 hl/Jahr war bei weitem nicht mehr ausreichend, so dass betriebliche Anbaumaßnahmen notwendig wurden, die sich auf Grund der Hang- und Straßenlage als sehr schwierig erwiesen und sehr begrenzt waren.

Im Jahre 1972 wurde die Brauerei Lobenstein verstaatlicht und dem Getränkekombinat Gera angeschlossen. Auf Grund der angestrengten Rohstoffsituation in dieser Zeit wurden die Biere im Stammwürzegehalt von Jahr zu Jahr reduziert. Gerstenmalz wurde durch Rohfrucht, Zucker, Reis und Enzyme ersetzt und die Produktionskapazität wurde nahezu um das Doppelte überfahren. Diese Maßnahmen hatten zu Folge, dass die Bierqualität sehr stark darunter litt. Qualitätsreklamationen und Rückbiere waren an der Tagesordnung, jedoch spielte dieser Aspekt in der sozialistischen Planwirtschaft eine untergeordnete Rolle. Es musste um jeden Preis versorgt werden. Im Jahre 1974 wurden die drei einheimischen Brauereien - Lobenstein, Lemnitzhammer und Lehesten zu einem sozialistischen Kleinkombinat zusammengefasst und zentral von Lobenstein geleitet. Diese Maßnahme musste nach der Wende mit der Privatisierung der 3 Brauereien wieder rückgängig gemacht werden, welche sich als sehr schwierig erwies. Nach der Wende 1990 ergab sich für die gesamte Industrie der DDR eine neue Situation. Der Markt wurde überschwemmt mit Bieren der Altbundesländer, welches sich deutlich in Qualität, Aufmachung und Service von den unseren unterschied. Anfänglicher Versuch in den 90er Jahren zeigte, dass es mit der bestehenden Brauereitechnik - technischer Stand: 60er Jahre - nicht möglich war, ein qualitativ gleichwertiges Produkt herzustellen. Die Bierproduktion musste im August 1991 eingestellt werden.
Die Sternquell-Brauerei Plauen erhielt 1991 von der Brauerei Lobenstein den Lohnbrauauftrag Lobensteiner Bier nach vorliegender Rezeptur zu brauen und abzufüllen. Mit dieser Maßnahme ist es möglich gewesen, die Brauerei Lobenstein und den Geschäftsbetrieb am Leben zu erhalten. Nach der Wende setzte ein ungeheuerer komplizierter Liquidation - und Reprivatisierungsprozess ein.
Die Verhandlungen mit der Treuhandanstalt bzw. Nachfolgegesellschaften erwiesen sich als sehr schwierig. Am 09. 12. 1997 kam es zum notariellen Kaufvertrag zwischen der Treuhand und dem Diplom-Braumeister Gerhard Froeb. Mit Klärung der Eigentumsverhältnisse waren die Weichen gestellt zur Instandsetzung des Gebäudes und Vorbereitung der Wiederaufnahme des Braubetriebes.
Ziel aller Bemühungen ist es, den Braubetrieb in Form einer Gasthaus-Erlebnisbrauerei wieder aufzunehmen. Für eine Kur- und Touristenstadt wie Bad Lobenstein, ist ein eigenes regionales Heimatbier eine echte Bereicherung. Es wird angestrebt im alten traditionellen Brauereigebäude eine Begegnungsstätte kulturellen und sportlichen Lebens zu schaffen. Mit dem Bau der Bowlingbahn im Jahre 1998 und dem Umbau der Lagerkellerräume zu einer Jugendbegegnungsstätte „KUBRA“ wurde ein Teil des Vorhabens bereits verwirklicht.

Weitere Umgestaltung und Nutzung leerstehender Gebäudeteile stehen in der Planung und Verwirklichung.