Pressebericht OTZ 13.10.2011

Braumeister Gerhard Froeb am gekühlten Gärbehälter mit den nötigen Manometern. Foto: Karl-Heinz Putzmann

Nachdem im August 1991 die Bierproduktion in der Lobensteiner Brauerei eingestellt werden musste, fließt nun wieder Bier in der "Ersten Oberländischen Dampfbierbrauerei". Vor zwei Monaten hat der diplomierte Braumeister Gerhard Froeb als Eigentümer des 1889 gegründeten Brauhauses den Sud angesetzt. Bad Lobenstein. "Es ist keineswegs eine auf Mengenproduktion bedachte Sache. Vielmehr geht es um eine Größenordnung von knapp 300 Litern beim Braugefäß", beschreibt er seine kleine aber feine Hausbrauerei. Und die hat er aus noch vorhandenen historischen Edelstahl-Brauerei-Utensilien gefertigt und dabei unkomplizierte Hilfe der ortsansässigen Stahlbaufirma Martin erhalten, wie er lobend erwähnt. Gerhard Froeb setzt auf eine gediegene Reifezeit von sechs bis acht Wochen des noch namenlosen aber regionalen Heimatbieres, ehe es in die Abfüllung und den Ausschank gelangt.
"In unserer hauseigenen Bowlingbahn haben etliche Gäste bereits die ersten Proben verkostet", erklärt der Inhaber des Kubra (Kulturbrauhaus), das als "Tanz der Sinne"-Tempel weithin bekannt ist.
Diese Lokalität wird derzeit umgestaltet und ist deshalb nicht für Veranstaltungen nutzbar. Ein Grund ist der Braukeller, der eben dort in einem felsenkühlen Kellerraum eingerichtet wurde. Zuvor befand sich dort die Kubra-Küche, was wichtig für die nötigen Wasseranschlüsse war. Der Braukeller ist klein aber gediegen. Man kann ja später mal erweitern, auch verschiedene Saisonbiere wie Bock, Dunkles oder Märzen anbieten oder ein leichtes Helles für den Sommer brauen.
Zunächst wurde aber ein kräftiges Pilsner angesetzt, das sich durch sein bernsteinfarbiges Aussehen auszeichnet und über eine dezente leicht-liebliche Hopfenbittere verfügt.
"Die Biere hier sind generell unfiltriert und haben deshalb eine leichte Trübung. Vorteil gegenüber den Industriebieren ist, dass sie damit einen stärkeren Körper haben und voller schmecken, dabei aber keinen höheren Alkoholgehalt haben", beschreibt er seine Brauart. Die Hefebestandteile haben zudem einen nützlichen Vitamin-B-Gehalt, was gesund ist, wie er betont. Momentan probiert Gerhard Froeb, der die Brauerei in vierter Generation betreibt und sie 1998 von der Treuhand zurück kaufte, verschiedene Sud-Ansätze aus und ist vor allem auch auf die Meinung der biertrinkenden Gäste gespannt. Wenn im Bierkeller alles fertig ist, plant er mit einer Wochen-Leistung von fünf Hektolitern Bier. Dieses Eigenprodukt soll vorrangig im Brauerei-Gebäude angeboten werden. Dazu ist ja seit längerem in der ehemaligen Braumeister-Wohnung der komplette Umbau zu Gasträumen im Gange.
Entstehen soll in der Ersten Oberländischen Dampfbierbrauerei damit ein eigener Brauereigasthof samt Biergarten. Brauen und Ausschank erfolgen somit in historischen Räumen und es wird Brauereiführungen zur handwerklichen Brautradition geben. Das ist reizvoll, lebt und atmet doch das ganze Brauhaus den historischen Charme einer über Jahrzehnte gewachsenen Brauerei, die ihre Wurzeln im vorigen Jahrtausend hat.
Sein großes Plus ist die Erfahrung, die der 59-Jährige in dem Metier gesammelt hat. So kann er viele Dinge aus der Erb-Masse der einst so florierenden Brauerei (der Bierausstoß lag in der Gründerzeit jährlich bei bis zu 20 000 Hektolitern Bier pro Jahr) wieder verwenden und kostensparend ein- oder umbauen. Sein Prinzip ist, nichts umkommen zu lassen und alles sinnvoll zu verwenden und zu verwerten.
So hat er mit Pfiffigkeit und Geschick die alte Hand-Abfülltechnik aus den 1930-er Jahren hergerichtet und für heutige Flaschen-Dimensionen mit Bügelverschluss angepasst. Dichtungen mussten extra geschnitten und eingepasst werden, weil es dafür nichts Handelsübliches mehr gibt, deutet er die Schwierigkeiten an. Denkbar, dass eigens abgefüllte Flaschen auch außer Haus gehen. Mal sehen.

 

 

Karl-Heinz Putzmann / 13.10.11 / OTZ